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Nachspielzeit am grünen Tisch

Die Hammer SpVg kämpft um die Zulassung zur NRW-Liga

Der Klub hat zwei Rechtsanwälte eingeschaltet -  „Es geht um Gleichbehandlung“
HAMM • Seit gut sechs Wochen ist die Saison in der Fußball-NRW-Liga Geschichte. Allerdings nur sportlich. Juristisch erlebt die fünft-höchste deutsche Klasse wieder einmal eine lange Nachspielzeit – und diesmal sorgt auch die Hammer SpVg für die Hängepartie und die Verlängerung am grünen Tisch. Nachdem in der vergangenen Woche der sportlich abgestiegene VfB Hüls vom Präsidium des Westdeutschen Fußball- und Leichtathletik-Verbandes (WFLV) die Zulassung zur NRW-Liga erhalten hatte, fordert die HSV, als Tabellen-17. der vergangenen Saison ebenfalls abgestiegen, nun für sich nach einer zeitgleich gescheiterten Beschwerde ebenfalls ein solches Urteil. Denn, so Geschäftsführer Ulrich Rolfing, „hier geht es um Gleichbehandlung. Und um Gerechtigkeit. Wenn eine Mannschaft Recht bekommt, muss das auch für die andere gelten.“ Die Hammer haben die Dorstener Rechtsanwälte Stephan Proff und Daniel Balzert, die im vergangenen Jahr dem SV Schermbeck durch die Hintertür wieder in die NRW-Liga verhalfen und auch die „Causa Hüls“ betreuten, mit der Wahrnehmung ihrer Interessen beauftragt und hoffen nun auf eine sportgerichtliche Entscheidung. 

„Notfalls“ vor ein Zivilgericht

Fristgerecht zehn Tage nach dem erstinstanzlichen Urteil des Verbands-Fußballausschusses zur HSV-Beschwerde werden heute die notwendigen „Revisions“-Unterlagen in der WFLV-Geschäftsstelle in Duisburg eingehen, wo sich Peter Pachur gestern vom angekündigten Vorgehen überrascht zeigte: „Wir wissen davon noch nichts.“ Die Hammer drohen „notfalls“ bereits mit dem Gang vor ein Zivilgericht, die entsprechenden Voraussetzungen werden zeitgleich geschaffen. Damit hat der Verband seinen nächsten Problemfall – und muss sich nun sputen. In vier Wochen soll die Saison beginnen. Heinz-Leopold Schneider, Vorsitzender des Verbands-Fußballausschusses, weilte gestern bei der Tagung der Nord-Regionalligisten in Berlin und konnte zum Thema nicht Stellung nehmen. Staffelleiter Rolf Thiel schwant derweil Böses: „Das wäre wieder ein Grund, die Erstellung des Spielplanes aufzuschieben.“ Und angesichts des Hickhacks fragte er sich, „warum wir eigentlich eine Auf- und Abstiegsregelung und ein Ligastatut haben“.

Zum Hintergrund: Die abermaligen Turbulenzen in der NRW-Liga entstanden durch die Lizenzentzüge für die überschuldeten beziehungsweise insolventen Klubs RW Essen und Bonner SC in der Regionalliga und die höchstwahrscheinliche Eingruppierung beider Mannschaften eine Klasse tiefer (eine Entscheidung fällt heute) – sportliche Absteiger aus der vierten Liga gab es am Ende der Saison nicht. Zwei Zugänge „von oben“ bedeuteten eine Klasse tiefer, dass eigentlich fünf Klubs die fünfte Klasse verlassen mussten: Sprockhövel (Tabellen-19.), Wattenscheid (18.), die HSV (17.), Hüls (16.) und Fortuna Köln (15.). Doch da RW Essen in die Liga kommt, muss die Reserve des Traditionsklubs ihren Platz räumen. Sie rückt als Zwangsabsteiger auf Rang 19, Köln bleibt NRW-Ligist, die dahinter liegenden Teams nicht.
Vereinen wie Hüls und Hamm, die sich zum Teil streckten, um die Auflagen für den Spielbetrieb zu erfüllen, waren das wirtschaftlich fahrlässige Gebahren der Zwangsabsteiger und die Folgen ein Dorn im Auge. „Das darf nicht zu Lasten seriös wirtschaftender Vereine gehen, die 'Käfige' für die Gästefans bauen, während andere viel Geld in die Mannschaft stecken“, sagt Rechtsanwalt Balzert. „Es ist paradox: In einer Liga, wo die Wirtschaftlichkeit geprüft wird, gibt es die Zulassung nicht; in der anderen, wo auch eine Prüfung stattfindet, gibt es sie. Das kann nicht sein“, findet Rolfing. Und Balzert flankiert: „Logischer wäre in diesem Fall ein Abstieg in die Westfalenliga. Denn das ist die erste Liga, in der eine erfolgreiche Wirtschaftlichkeitsprüfung keine Voraussetzung für die Zulassung ist.“ Für die Hammer ist klar: Es gab keinen sportlichen Absteiger aus der Regionalliga; also müssen auch nicht mehr als drei Klubs die NRW-Liga verlassen. Und da RWE II ans Ende des Klassements rückt, wären die Hammer 16. – und damit gerettet.

Der ähnlichen Argumentation aus Hüls folgte der Verband, hielt dem VfB zugute, dass er „auf einen Abstiegsplatz gerutscht war, nachdem zwei Bewerber zur Regionalliga West aus wirtschaftlichen Gründen nicht zugelassen worden waren“ – und schuf damit einen Präzedenzfall, der die Hammer, die mit ihrer Beschwerde abgeblitzt waren, nun endgültig auf die Palme brachte. „Es gibt viele Dinge beim Verband, die nicht nachvollziehbar sind. Es geht hier auch um Glaubwürdigkeit“, meint Balzert. „Da man sich für Hüls entschieden hat, muss man sich auch für Hamm entscheiden.“ Und der Fachanwalt für Arbeitsrecht fügt hinzu: „Wir sind uns relativ sicher, dass wir keine so schlechten Chancen haben.“ fh
 
Quelle: Westfälischer Anzeiger

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