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Ein Hauch von Willkür

Zeitlupe von Frank Heidenreich
Nur um eins schon mal vorab klarzustellen: Der Ball ruht seit sieben Wochen, die Meisterschaft in den verschiedenen Spielklassen ist beendet. Ja, wir befinden uns in der Fußball-Sommerpause. Auch wenn derzeit oft ein anderer Eindruck entsteht. Denn in der NRW-Liga tobt noch immer der Abstiegskampf – und mittendrin: die Hammer SpVg. Was der Mannschaft von Trainer Holger Wortmann auf dem sportlichen Weg nicht gelang, will sie auf dem juristischen nachholen: den Klassenerhalt. Einmal ist die Beschwerde der Hammer über die Nicht-Zulassung bereits abgewiesen worden, nun fechten sie das Urteil mit Hilfe von Rechtsanwälten an – und setzen den Verband einen Monat vor dem Saisonstart mächtig unter Zeitdruck.  Es wäre leicht, die HSV zum schlechten Verlierer abzustempeln, der einfach nicht bereit ist, sich in sein Schicksal zu fügen. Doch so einfach liegt der Fall nicht. Dass die Hammer den neuerlichen Vorstoß unternehmen, dass sie als Drittletzter und eigentlich definitiver Absteiger aufmucken, hat sich der Westdeutsche Fußball- und Leichtathletikverband (WFLV) – ohnehin seit der Aufweichung der einst harten Auflagen für die Vereine nicht gerade für seine Konsequenz bekannt – selbst zu „verdanken“: durch schwer nachvollziehbare Urteile, unverhältnismäßig lange Prozesse der Entscheidungsfindung und eine wenig kommunikative Außendarstellung, die die Vereine mitunter ratlos bis kopfschüttelnd zurücklässt. Im vergangenen Jahr hatte Schermbeck erfolgreich sein Sträußchen mit den Funktionären ausgefochten, diesmal öffnete der Verband dem abgestiegenen VfB Hüls die Hintertür in die NRW-Liga. Und genau hier beginnt das Problem: Warum Hüls und nicht Hamm, fragt sich die HSV.

Die Situation ist seit den Lizenzentzügen für die bisherigen Regionalligisten RW Essen und den Bonner SC ziemlich undurchsichtig geworden; erst recht, nachdem der insolvente Traditionsklub RWE nun die Eintrittskarte für die NRW-Liga erhielt, der überschuldete BSC nicht. Dass die beiden zwei weitere Alarmsignale für das ungesunde, viel zu risikoreiche Wettrüsten einiger Klubs in den höchsten Amateurklassen sind, dass die Rheinländer nun womöglich ebenfalls den Beschwerdeweg gehen – alles Aspekte, die die HSV nur am Rande berühren. Sie plädiert auf Gleichbehandlung mit Hüls und verweist auf den Zugang Essens, der den Zwangsabstieg der zweiten Mannschaft sowie eine entsprechende Verschiebung der Tabelle zur Folge hat – und fragt sich nicht ganz zu Unrecht, wie mit Teams umzugehen ist, die nicht als sportliche Absteiger, sondern wegen ihrer Finanznot in die NRW-Liga zurückversetzt werden.

Schließlich machte der Verband selbst dieses Fass auf. Indem er in seiner Begründung für Hüls einräumte, dass der „Verein auf einen Abstiegsplatz gerutscht (war), nachdem zwei Bewerber zur Regionalliga West aus wirtschaftlichen Gründen nicht zugelassen worden waren“. Dass zudem Thomas Wembe, oberster Wirtschaftlichkeitsprüfer für die Zulassung zur NRW-Liga, in einem Interview das Votum pro Hüls vieldeutig als Entscheidung „aus politischen Gründen“ wertete, verleiht der unterschiedlichen Handhabung der Fälle Hamm und Hüls durch den Verbands-Fußballausschuss einen unangenehmen Beigeschmack – und den Hauch von Willkür.

Klar: Die HSV-Argumentation hinkt an dem Punkt, an dem sie Klubs wie Essen unseriöses Wirtschaften vorwirft, zugleich aber den tabellarischen Profit ziehen will durch den Zwangsabstieg von RWE II. Dennoch: Es besteht Klärungsbedarf. Es wäre fahrlässig von der HSV, nicht zumindest den Versuch zu unternehmen, noch in der NRW-Liga zu landen. Unabhängig vom Ausgang.

Quelle: Westfälischer Anzeiger

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