„Sollte sich niemand entgehen lassen“

Kategorie: Erste Mannschaft
Veröffentlicht am Donnerstag, 23. August 2012 08:38
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INTERVIEW Die Trainer Mehnert und Müller fiebern dem Derby zwischen Rhynern und HSV entgegen

HAMM • Mit großer Vorfreude fiebern die Spieler, Trainer und Fans dem Derby in der Fußball-Oberliga am Samstag (18 Uhr) zwischen dem SV Westfalia Rhynern und der Hammer SpVg entgegen. Denn mittlerweile ist es sechs Jahre her, dass sich die beiden Teams in einem Meisterschaftsspiel gegenüberstanden. Mit welchen Erwartungen Björn Mehnert, Coach der gastgebenden Elf vom Papenloh, und sein Gegenüber Lars Müller in die Partie gehen, verrieten sie in einem Interview mit Patrick Droste.
20120823DerbyOLLogo
Herr Mehnert und Herr Müller, als Spieler waren Sie schon bei vielen Derbys dabei. Was macht den besonderen Reiz so einer Begegnung aus?
Müller
: Dass man zum Beispiel drei Tage vorher ein Interview geben muss. Von der Vorbereitung her ist es eigentlich so wie immer. Aber die Anspannung bei allen Beteiligten ist natürlich eine größere, auch weil das Drumherum ganz anders ist. Auf dem Platz entwickeln sich Derbys dann oft zu ganz normalen Spielen. Aber es gibt natürlich auch Ausnahmen.

Herr Mehnert, wird es Samstag eine Ausnahme geben?
Mehnert
: Ich denke, dass die Partie ein Ausnahmespiel sein wird, auch für die Stadt Hamm. Es wird einen enormen Zuschauerzuspruch geben, den wir in dieser Saison nicht so oft erleben werden. Und für mich als Trainer ist es auf jeden Fall einfacher, denn die Eigenmotivation der Spieler wird größer sein. Die Jungs werden angespannter, nervöser und heißer sein – auch wenn es für einen Sieg nur drei Punkte geben wird.
Müller: Man bekommt in Hamm natürlich mit, dass dieses Spiel überall ein Thema ist. Daher geht man dann auch mit einer besonderen Einstellung in das Spiel, man will ja am Ende nicht als Depp dastehen.
Mehnert: Wir sind ja alle Menschen. Und da gehören Emotionen zum Leben dazu. Da kann sich keiner freisprechen, dass ihn das Derbyfieber nicht packt.

Vor allem für die Hammer SpVg, die sich als Platzhirsch zwei Jahre lang mit der Nummer zwei in Hamm zufrieden geben musste, ist es die große Möglichkeit, sich wieder in den Vordergrund zu spielen. Oder haben die zwei Jahre in der Westfalenliga nicht am Selbstwertgefühl genagt?
Müller
: Vom ersten der beiden Jahre habe ich ja nicht viel mitbekommen, da war ich noch in Leipzig. Aber Hamm ist ja nicht so eine Riesenstadt, da habe ich in der vergangenen Saison schon verfolgt, dass der Nachbarverein eine Liga höher gespielt hat. Da schaut man schon, was Rhynern veranstaltet hat. Klar ist es jetzt unser Ziel, wieder die Nummer eins zu werden und zu bleiben. In dieser Spielzeit haben wir die Möglichkeit, dies zu schaffen.

20120823DerbyMehnertHerr Mehnert, haben die Rhyneraner die zwei Jahre in der NRW-Liga genossen?
Mehnert
: Fakt ist auf jeden Fall, dass wir in der ewigen NRW-Liga-Tabelle vor der HSV stehen, das kann uns keiner mehr nehmen. Klar ist aber auch, dass Hamm in den Jahren vorher immer höher gespielt hat. Aber jetzt am Samstag geht es erst einmal nur um das eine Spiel. Und da wollen wir besser sein.

Am vergangenen Wochenende waren sie aber nicht besser, sind mit einer 2:3-Niederlage in Wattenscheid in die neue Saison gestartet. Wird diese Partie noch Auswirkungen auf Samstag haben?
Mehnert
: Das ist ausgeblendet, Wattenscheid haben wir abgehakt. Auch wenn wir dreimal vorher verloren hätten, in einem Derby ist das alles vergessen. Das interessiert in so einem Moment niemanden mehr.

Interessiert Sie Ihr 4:0-Auftakterfolg über Roland Beckum auch nicht mehr, Herr Müller?
Müller
: Derbys sind besondere Spiele. Klar ist es schön, dass wir mit einem Sieg gestartet sind. Aber wir haben jetzt keinen Lauf, nur weil wir gegen Beckum die drei Punkte eingefahren haben. Und die Rhyneraner sind jetzt kein Abstiegskandidat, nur weil sie in Wattenscheid verloren haben. Da werden noch ganz andere Teams mit einer Niederlage nach Hause fahren.

Vor der Saison haben Sie jeweils dem Stadtrivalen mehr zugetraut. Halten Sie an dieser Erwartung weiter fest?
Müller
: Ich bleibe dabei. Daran ändert ein einziges Spiel nichts. Rhynern hat in der vergangenen Saison eine starke Leistung abgeliefert, hat eine eingespielte Truppe, hat sich punktuell verstärkt und kennt die Liga. Das ist eine Mannschaft, mit der zu rechnen ist.
Mehnert: Dem stimme ich nicht so ganz zu. Punktuell verstärkt? Wir haben mit Paul Fudala unseren Kapitän verloren, den kann man nicht so einfach eins zu eins ersetzen. Und während die HSV viele Leute geholt hat, die schon höher als Oberliga gespielt haben, kommen unsere Neuzugänge aus der Landesliga oder aus der eigenen Jugend. Bei der HSV hat ein einziger Neuer mehr Erfahrung in einer höheren Liga als bei uns die ganze Mannschaft zusammen. Aber die Hammer haben da eben in finanzieller Hinsicht ganz andere Möglichkeiten als wir. Das sage ich ganz ohne Neid. Wenn wir die hätten, würden wir die ja auch ausnutzen. Wir werden eben wieder versuchen, möglichst viele Mannschaften zu ärgern – mit den Möglichkeiten, die wir haben.

Sind es nur die finanziellen Möglichkeiten, die die beiden Vereine unterscheiden? Oder gibt es sonst noch etwas oder irgendwen der HSV, den Sie gerne hätten?
Mehnert
: Der große Unterschied ist natürlich die Tribüne, die die Hammer haben. Ansonsten bin ich mit meinem Spielermaterial zufrieden. Klar haben wir uns auch mit dem ein oder anderen Akteur befasst, der letztlich zur HSV gegangen ist. Aber wir sind dann an unsere Grenzen gestoßen. Wenn es nicht passt, passt es nicht. Einen besonderen Akteur der HSV möchte ich nicht haben, Wir haben selbst tolle Fußballer, die richtig gute Qualität mitbringen. Okay, wenn man meine Jungs mit denen aus Hamm eins zu eins vergleichen würde, würden wir vielleicht nicht so gut abschneiden. Aber Fußball ist ein Mannschaftssport. Und ich weiß, was wir als Team leisten können.

20120823DerbyMuellerHerr Müller, was hätten Sie gerne vom SV Westfalia Rhynern?
Müller
: Da fällt mir nichts ein.

Und was unterscheidet die beiden Vereine?
Müller
: Über Rhynern kann ich nicht so viel sagen. Wir sind sicher von der Infrastruktur her besser aufgestellt. Aber beide Vereine versuchen, ihren Auftrag zu erfüllen. Indem sie eine gute Jugendarbeit machen. Und indem sie eine starke erste Mannschaft aufstellen. In Sachen Geld bin ich aber anderer Meinung als Mehne. Wir schmeißen niemanden mit Geld zu. Wir haben Jochen Höfler zum Beispiel nur geholt, weil Aaron Vasiliou kurzfristig abgesprungen ist und Michael Erzen länger ausfällt. Es ist nicht so, dass wir nur draufpacken, sondern wir haben auf die Geschichten reagiert.

Könnten Sie sich vorstellen, irgendwann mal beim kommenden Gegner als Trainer zu arbeiten?
Mehnert
: Ich bin glücklich in Rhynern, mir macht die Arbeit da riesig viel Spaß. Aber im Fußball ist es nun mal so, dass man nichts ausschließen soll. Ich beschäftige mich mit solchen Gedankenspielen derzeit allerdings überhaupt nicht, ich habe in Rhynerns genug andere Arbeit, die getan werden muss.
Müller: Das wird nicht passieren. Ich bin sehr glücklich bei der Hammer SpVg.

Werden Sie am Samstag noch glücklicher sein, weil Sie das Derby gewinnen?
Müller
: Wir haben eine gute Mannschaft. Aber in dieser Partie reichen 95 Prozent nicht. Das wird ein sehr schweres Spiel. Und ein sehr enges. Aber ich weiß, dass wir gewinnen können.
Mehnert: Ich bin von meiner Truppe überzeugt. Wir haben das Potenzial. Ob es am Ende reicht, wird man sehen. Ich weiß aber, dass Hamm eine Menge in die Waagschale werfen muss, um bei uns zu gewinnen.

Herr Mehnert, was sind die großen Stärken der HSV?
Mehnert
: Da ist vor allem die individuelle Klasse nennen. Leute wie Höfler, Buschening oder Backszat haben richtig Qualität. In der Defensive sind die Hammer sehr robust und zweikampfstark. Aufpassen müssen wir natürlich auf die Standards, die in dieser Liga ihresgleichen suchen.

Und was beeindruckt Sie, Herr Müller, an Rhynern?
Müller
: Die Westfalia kommt über ihre mannschaftliche Geschlossenheit, ist taktisch sehr diszipliniert und ungemein laufstark. Wir werden Rhynern auf keinen Fall unterschätzen, das ist eine sehr gute Mannschaft, die man nicht an einzelnen Personen festmachen kann. Man kann nicht sagen, wenn wir den oder den ausschalten, haben wir die halbe Miete.

Was tippen Sie?
Mehnert
: Meine Mannschaft wird brennen. Wer da nicht heiß ist, ist fehl am Platze. Sonst spielen wir vor 200 bis 500 Zuschauern, jetzt kommen vielleicht 1 500. Das ist etwas ganz Besonderes. Es wird auf keinen Fall 0:0 ausgehen. Dieses Spiel sollte sich keiner entgehen lassen.
Müller: Aufgrund meiner Oberschenkelprobleme befürchte ich, dass ich nicht mitspielen kann. Trotzdem freue ich mich auf dieses Spiel. Ich denke, es wird eng und intensiv.

Quelle: Westfälischer Anzeiger