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Kein Happy End

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WFLV lehnt den Protest der HSV ab - Hammer kündigen umgehend den Gang vor das Zivilgericht an

DUISBURG • Für HSV-Geschäftsreise Uli Rolfing wurde es eine bittere Zugfahrt. Voller Hoffnung war er nach Duisburg aufgebrochen, um der Verhandlung des Westdeutschen Fußball- und Leichtathletikverbands über die Ligazugehörigkeit der Hammer SpVg beizuwohnen.
Der Protest der HSV gegen den Abstieg aus der NRW-Liga wurde vom Verbandsgericht unter Vorsitz von Heinz-Hubert Werker abgewiesen. Die Hammer müssen damit weiter in der Westfalenliga antreten, kündigten aber umgehend ein Eilverfahren vor dem Zivilgericht an. Der Verbandsgerichtsvorsitzende Werker begründete die Entscheidung damit, dass Hamm der dritte Absteiger gewesen sei und „drei steigen in jedem Fall ab. Die Hammer Argumente haben nicht überzeugt“.
 
Rolfing war enttäuscht über das Urteil, das für ihn schon im Vorfeld feststand. „Das Gericht ist unser Argumentation nicht gefolgt“, erkannte er. Stephan Proff, den die HSV zusammen mit Daniel Balzert als Anwalt zu Rate gezogen hatte, hatte den Vergleich mit dem VfB Hüls angestrebt, der auf Protest beim Verband in die NRW-Liga zurückkehren durfte. Die Marler lagen einen Platz vor der HSV und waren nur durch den sportlichen Abstieg von Borussia Mönchengladbach II auf einen Abstiegsrang gerutscht. Nach der Insolvenz der Regionalligisten RW Essen und Bonner SC war dies aber hinfällig, da Gladbach die Klasse hielt. Hüls blieb in der NRW-Liga.

„Der Verband konnte keinen einzigen Grund nennen, warum Hüls drinbleibt und wir nicht“, meinte der HSV-Anwalt. Die Hammer argumentierten, dass durch die Rückstufung der ersten RWE-Mannschaft die Reserve auf den letzten Platz gesetzt werden müsste, so dass die Hammer einen Rang nach oben rutschen würden. Damit wären sie ebenfalls nur dann vom Abstieg betroffen gewesen, wenn ein NRW-Verein auf sportlichen Wege den Gang in ehemalige Oberliga hätte antreten müssen. „Unserer Auffassung dürfen Vereine, die Insolvenz angemeldet haben, nicht in der NRW-Liga spielen, da die laut Statut vorgeschriebenen wirtschaftlichen Voraussetzungen nicht gegeben sind“, so Proff. Durch die Insolvenz drückten die Klubs die Schulden weg, während andere Vereine auf den ausstehenden Geldern sitzen bleiben. „Das ist unfair“, so Proff. Über die Insolvenz von Vereinen zu entscheiden, stehe dem Gericht nicht zu, hielt Werker dagegen. „Essen II war als Vierter kein Absteiger, die haben nur den Platz an die erste Mannschaft abgegeben, meinte der Vorsitzende. Der Fall Hüls spiele keine Rolle für das Urteil.

Dabei ließ Proff durchaus erkennen, dass der Abstieg der Hammer der Satzung entspricht, aber „der Verband hat in der Vergangenheit anders gehandelt“. So rückte beispielsweise vor zwei Jahren Siegen als 19. Verein in die NRW-Liga, als die Sportfreunde die Lizenz für die Regionalliga nicht erhalten hatten. Außerdem hätte DFB-Vizepräsident Hermann Korfmacher in einem Interview erklärt, dass insolvente Vereine nicht andere verdrängen dürften.

Als Rolfing schließlich den Zug bestieg, hatte er sein Kämpferherz wieder ausgepackt: „Wir werden auf keinen Fall aufgeben.“ Der Protest geht also mit einem Eilverfahren im Zivilprozess vor dem Landgericht Duisburg weiter, da das Verbandsurteil von der höchsten sportlichen Instanz getroffen worden ist. „Es ist bedauerlich, dass der Verband, der für sportliche Fairness einsteht, gezeigt hat, das er die Vereine ungleich behandelt“, sagte Proff, der sich vor dem Zivilgericht „reelle Chancen“ ausrechnet. Da die Saison bereits am 14. August losgeht, ist mit einer zeitnahen Entscheidung zu rechnen. bob

Einwurf

Verband verpasst ein gutes Zeichen

Fassen wir einmal kurz zusammen. Vor Beginn der NRW-Liga-Saison 2009/2010 war festgelegt, dass drei Vereine absteigen. Die Hammer SpVg war Drittletzter. Eigentlich eine ganz einfache Sache: Wer zu schlecht ist, verwirkt im deutschen Fußball nun einmal das Recht, ein weiteres Jahr in der gleichen Klasse anzutreten. Deshalb spielt die HSV in der kommenden Saison in der Westfalenliga. Nun kamen die Hammer auch dadurch in ihre missliche Lage, weil sie nur wenig Geld in die Hand nahmen und vor der Spielzeit kaum gute Leute verpflichteten, weil sie nicht gegen die Auflagen des Verbands verstoßen wollten. Der Spielausschuss für die NRW-Liga verlangt solides Wirtschaften von allen Vereinen. Das wird auch überprüft. Nun halten sich nicht alle Klubs an die Vorgaben des Verbands, sondern leben weit über ihre Verhältnisse. So auch der frühere Deutsche Meister RW Essen, dem nach dem Ende der vergangenen Regionalliga-Spielzeit die Lizenz entzogen wurde, weswegen er trotz eines fünften Platzes nicht mehr in diese Klasse hinein gelassen wurde. Rund zwei Millionen Schulden drücken den Traditionsverein, gegen den mittlerweile ein Insolvenzverfahren eingeleitet wurde. In der NRW-Liga darf dieser Pleiteverein dennoch spielen. Im Gegensatz zur HSV, die Transfers nur im Rahmen der begrenzten Möglichkeiten getätigt hat. Hier wird mit zweierlei Maß gemessen, denn während über finanzielle Misswirtschaft beim Verband noch immer hinweggesehen wird, Pleiten sozusagen als Kavaliersdelikt hingenommen werden, und der Neuanfang möglichst weit oben erfolgen kann, wird auf der anderen Seite streng nach Vorschrift entschieden. Der WFLV ist mit seiner Entscheidung der Satzung gefolgt, doch hätte sich die Funktionäre keinen Zacken aus der Krone gebrochen, wenn sie auch im dritten Jahr seit Gründung der NRW-Liga ein 19. Mitglied hätte mitspielen lassen. Es wäre ein kleines Zeichen gewesen, dass der Verband auch das ordentliche Haushalten der Vereine nicht gänzlich aus den Augen verliert. • BORIS BAUR


Quelle: Westfälischer Anzeiger

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