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HSV-Historie

Schön, dass wir noch da sind

19660822 1Zum Spitzenspiel TSV Marl-Hüls - Hammer SpVg

Hamm, die 180.000-Einwohner-Großstadt und Marl, mit 84.000 Einwohnern zweitgrößte Stadt des Kreises Recklinghausen, haben etwas gemeinsam: In der Nachbarschaft ihrer Vereine üben zwei Erstligisten eine übergroße Anziehungskraft aus. Hamm und Marl, das sind in der Tat seit Jahren zwei lukrative "Fanggebiete". Die Masse der auswärtigen "Kundschaft" hat dabei im Laufe der Zeit ihre eigene lokale Größe, die sich heute irgendwo in den Becken unterhalb der Profiklassen tummelt, vergessen oder nimmt sie gerade mal als Randnotiz wahr.

Seit der Einführung der Profiliga im Jahre 1963 mit ihrer sich rasch entwickelnden medialen und finanziellen Omnipotenz, der infrastrukturellen Hilfe durch öffentliche Gelder und zahlreicher Reformen, sind die Abstände zwischen den Vereinen dies- und jenseits der Professionalität immer größer geworden und die Hürden damit höher, überhaupt etwas zu bewahren oder nach oben zu schielen. Viele Clubs gibt es inzwischen nicht mehr, andere, darunter eben auch Traditionsvereine wie der TSV Marl-Hüls und die Hammer Spielvereinigung, verschwanden in der Versenkung und damit allmählich aus dem Blickfeld des ansässigen Fußballfans. Gleichzeitig vergrößerte sich der Dunstkreis der benachbarten Eliteclubs. Der Faktor Zeit tat bei diesem Prozess sein Übriges. Das Kollektivgedächtnis bekommt halt Risse, wenn die Alten nicht mehr sind.

Das ist eben das gemeinsame Schicksal dieser beiden Vereine. Ihren Führungsriegen, die sie durch die Jahre gebracht haben, ist es sicher zu verdanken, dass es sie überhaupt noch gibt, denn auch eigene Fehler galt es auszubügeln. Dass sie es unter diesen Umständen geschafft haben, am Leben zu bleiben, ist alles andere als selbstverständlich. Der neue Grundlagenvertrag zwischen DFB und DFL macht es da nicht einfacher, denn es bleibt dabei: Die Großen profitieren mehr als je zuvor, die Amateure, die in teuren Werbekampagnen als echte Profis herhalten müssen, bekommen im Verhältnis dazu ein Fußballportal im Wert einer Tüte Erdnüsse.

Wie gut es dann tut, wenn die Verantwortlichen in Marl, in Hamm oder auch anderswo wieder ein paar unbekannte Gesichter auf der Tribüne oder den Stehplätzen entdecken können. Jeder ist wichtig, da spielt es auch keine Rolle, ob jenes Gesicht gleichzeitig auch Anhänger eines Bundesligaclubs ist. Jeder Besucher mehr bringt im günstigsten Fall vielleicht sogar ein Stück Identität zurück, lässt vor allem die Ehrenamtler jubeln, die sich Woche für Woche unentgeltlich durch den Ligaalltag kämpfen. Egal, ob es sich dabei um den Vorsitzenden, den Betreuer, die Kassiererin, den Pfleger der Vereins- oder Facebookseite , den Stadionsprecher oder den Spieltagsleiter handelt. Mit jedem Gast zusätzlich scheint der Kampf gegen die Windmühlen nicht mehr ganz so aussichtslos.

Die Hoffnung bleibt, dass in Zeiten, in welchen ein maßloser Wettbewerb immer neue krude Ideen entwickelt, um sich die Taschen zu füllen, der denkende Mensch kurz einkehrt und sich selbst einmal fragt, wo der eigentliche Fußball vielleicht noch eher zu finden ist. Dort, wo Aktiengesellschaften und Großkonzerne über eine Weltliga ins Schwärmen geraten, immer mehr Wettbewerbe ins Leben gerufen oder aufgebläht werden, dort riecht es wohl immer weniger nach Fußball. Die Wurzeln des Fußballs riechen allemal stärker auf den Äckern oder Kunstrasenplätzen der unteren Gefilde. Dort also, wo Vereine sich ihre mickrige Infrastruktur jedes Mal aufs Neue zurechtbasteln müssen, dort, wo Luftlöcher Spiele entscheiden können, weil der Ball auf der holprigen Wiese urplötzlich seine Flugbahn ändert und dort, wo man sich dem Aufstieg verweigern muss, obwohl man sich sportlich qualifiziert hat. Dort hat der Fußball sein ursprüngliches Zuhause und gleichfalls ist er gerade dort so zerbrechlich wie ein Weinglas in heißem Wasser.

Daher ist dem Spitzenspiel in Marl nur zu wünschen, dass sich viele "Heimkehrer" auf den Weg machen werden, auch wenn die Bühne nicht mehr dieselbe ist, die man einst betrat. Das große heimische Jahnstadion (Fassungsvermögen 35.000) hat, ähnlich wie sein Namensvetter in Hamm, die beste Zeit hinter sich. Das Loekampstadion ist seit 2005 der Spielort des TSV und wenn dieser auch um etliche Nummern kleiner ausfällt, ist ein großer Zuschauerandrang am Sonntag sicher Garant für eine tolle Atmosphäre.

19660822 2Die derzeitige Tabellensituation erinnert ein wenig an die Abschlusstabelle der Saison 1970/71. In der drittklassigen Verbandsliga belegte die Hammer SpVg punktgleich mit dem SVA Gütersloh den zweiten Platz. Dritter wurde der TSV Marl-Hüls. In jenem Jahr verpasste die HSV die Wiederkehr in den Profifußball, aus dem der TSV gerade erst abgestiegen war. In zwei aufregenden Entscheidungsspielen vor jeweils über 10.000 Zuschauern mussten sich die Hammer ganz knapp geschlagen geben (2:2 / 2:3). So waren die HSV und der TSV weitere fünf Jahre Kontrahenten in der höchsten Amateurliga, bis 1976 der Abstieg der Hülser besiegelt war. Zwei Jahre später traf es dann auch die HSV.

19660822 3Die beiden hochrangigsten Duelle lieferten sich die Traditionsmannschaften aber schon vorher in der altehrwürdigen Regionalliga West. Vor 50 Jahren, am 21. August 1966, gab die HSV ihr Debüt in der zweithöchsten deutschen Fußballklasse. Der Gegner: TSV Marl-Hüls. Der TSV spielte schon seit der Einführung der Bundesliga im Unterhaus und gewann das Spiel im Hammer Jahnstadion mit 2:1. Im Rückspiel am 15. Januar 1967 gab es dann ein 2:2-Unentschieden. Als Drittletzter ging es für Hamm am Ende der Saison leider wieder in die Verbandsliga, der TSV konnte sich mit drei Zählern mehr auf dem Konto gerade noch retten.

19660822 4Seitdem der TSV Marl-Hüls 2015 endlich in der Oberliga Westfalen angekommen ist, stehen sich also beide Clubs erneut gegenüber, gehen einen Teil ihres Weges gemeinsam. Gut möglich, dass das nächste Jahr wieder eine Trennung vorsieht. Dann nämlich, wenn einem der Vereine tatsächlich der Sprung in die Regionalliga gelingen sollte. Am Ende der Saison wird man sehen, ob sich dieses Spitzenspiel im Nachhinein als Wegweiser entpuppen wird. Jetzt sind beide Mannschaften erst einmal im Rennen um den kleinen Titel. Die Herbstmeisterschaft rückt näher, für wen auch immer. (fj)

(* 2 Am Ende der Spielzeit 1965/1966 wurde kein Finale um den Westfalenmeister durchgeführt, da der SSV Hagen als Meister der Gruppe 2 auf das Endspiel verzichtete. Überdies nahmen die Verbandsligaersten beide an der Aufstiegsrunde zur Regionalliga West teil. Dort belegte nach einem Unentschieden im Entscheidungsspiel die HSV per Los den 2. Platz vor dem SSV Hagen, womit man die Hammer SpVg als inoffiziellen Meister ansehen kann.)

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