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Die Hammer Spielvereinigung 03/04 e.V.

30. April 1966 - Hamm feiert den Meister HSV

20160430SpielszeneHeute vor 50 Jahren

Rot und Weiß - wie lieb ich dich. Fritz Eisermanns Text des alten Vereinsliedes der Hammer Spielvereinigung , der heute in leicht abgewandelter Form u.a. in der Bundesliga zu hören ist, dürfte den Helden von 1966 noch geläufig gewesen sein. Und wahrlich - sie hatten vor genau 50 Jahren auch allen Grund, ihn nach einer grandiosen Saison lauthals wiederzugeben.

An jenem 30. April - auch dies' ein Samstag und der letzte Spieltag der Saison - feierten die Rotblusen nach einem 4:0-Heimsieg über Blau-Weiß Langenbochum die Meisterschaft der Verbandsliga Gruppe 1 vor der SpVgg Erkenschwick und sicherten sich zudem die Berechtigung zur Teilnahme an den Aufstiegsspielen zur Regionalliga West, der damals zweithöchsten deutschen Fußballklasse.

20160430JahnstadionDieser Erfolg war keineswegs vorhersehbar. Die HSV zählte vor der Saison nicht einmal zum Favoritenkreis und verlor zudem vor Beginn noch ihren vom Regionalligisten Hamborn 07 gekommenen Trainer Erich Garske, der angeblich vertragsbrüchig wurde. So wurde der Weg frei für Arthur "Atze" Gruber. Ein Glücksgriff. Gruber entpuppte sich auf dem neuen HSV-Gelände mit modernen und ungewöhnlichen Trainingsmethoden (Gruber war in leitender Position beim Institut für Leibesübungen in Münster beschäftigt) zum Meistermacher.

Auch die sich anschließende Hürde der Qualifikation zur Regionalliga nahm die Gruber-Elf. Einer anstrengenden Saison folgten sechs kräftezehrende Aufstiegsspiele und obendrein ein Entscheidungsspiel, das an Dramatik kaum zu überbieten war und bis heute bei den Älteren in Form einer 10-Pfennig-Münze, dem Groschen, in Erinnerung geblieben ist.

Austragungsort war am 22.06. der Hertener Katzenbusch. Die Westfälische Rundschau schrieb: "Einige tausend Schlachtenbummler begleiteten die Rotblusen zum Entscheidungsspiel nach Herten. Auf der Autobahn sah man nur Fahrzeuge mit Hammer Nummernschildern... Und wie die Hammer ihre Mannschaft im Katzenbusch anfeuerten! Es schien, als hätte die Ahrens-Elf ein Heimspiel. Die Kehlen wurden einfach nicht heiser. Nie gaben die Schlachtenbummler ihre Mannschaft auf..."

Nach 90 stürmischen Minuten, in welchen Hamm einige Male der Pfosten oder die Latte im Weg stand, hieß es zunächst 1:1. Zu Beginn der Verlängerung ging Hagen abermals in Führung, doch HSV-Mittelstürmer Alwin Hennig schlug in der 102. Minute ein zweites Mal zu und sicherte den verdienten Ausgleich. Die Rundschau: "Als der 2.2-Ausgleich fiel, versuchten einige hundert Jugendliche, das Spielfeld zu stürmen. So groß war die Begeisterung..." Der Schlusspfiff ertönte und die Anspannung wuchs bis zum Äußersten.

20160430ExtrablattIn der Mitte bildete sich anschließend ein Pulk um den Krefelder Schiedsrichter Hoffmann: Eine Münze sollte die Entscheidung über den Aufstieg bringen. Dann der Wurf und HSV-Spielführer Herbert Ahrens riss sofort die Arme hoch, der Groschen zeigte mit dem Eichenblatt nach oben! Es folgte der Jubelsturm der mitgereisten 4000 HSV-Anhänger. Der Katzenbusch bebte - Hamm war Regionalligist und stieß in den edlen Kreis der Vertragsfußballwelt.

Die Rückfahrt nach Hamm wurde zum Triumphzug. "Auf der Rückfahrt hielten die begeisterten Anhänger ihre rot-weißen Fähnchen aus den Fahrzeugen und in Hamm wurde dann der Sieg bis spät in die Nacht hinein gefeiert. Es herrschte ein Trubel, als hätten die Rotblusen die Deutsche Meisterschaft erkämpft....Hamm kann auf seinen neuen Regionalligisten wirklich stolz sein." (WR).

Alles andere als stolz konnte damals allerdings der Westdeutsche Fußballverband sein. Das "Affentheater" um die Aufstiegsregelung führte im Nachhinein zur Entscheidung, dass alle Teilnehmer der Aufstiegsrunde zur Regionalliga zugelassen wurden. Die kraftraubenden Spiele um den Aufstieg waren somit unnütz und führten obendrein zu einem ungleichen Kräfteverhältnis. Die Aufsteiger gingen nahezu ausgebrannt in die neue Saison und auf dem Spielermarkt herrschte zum Zeitpunkt der Entscheidung bereits gähnende Leere. Der HSV ging zum Ende der Saison 66/67 regelrecht die Puste aus, als Drittletzter führte der Weg nach nur einem Jahr zurück in die Verbandsliga.

Dennoch bleibt vieles in Erinnerung. Die HSV musste sich u.a. mit RW Oberhausen, Viktoria Köln, Bayer Leverkusen, VfL Bochum, Preußen Münster oder Alemannia Aachen messen. Vor allem aber der 2:1-Sieg im Jahnstadion gegen den alten Konkurrenten der 20er Jahre, Arminia Bielefeld, bleibt im Gedächtnis. 18000 Zuschauer verfolgten die Begegnung - bis heute Vereinsrekord.

Auch nach der Regionalliga strömten weiter viele Zuschauer zur HSV. Die Sehnsucht der Region nach hochklassigem Fußball lebte fort, ebenso die Zuversicht. "Die Hammer verfügen über ein ausgedehntes Hinterland, das mit dem Einzugsgebiet von Borussia Dortmund , Preußen Münster, Arminia Bielefeld und Hessen Kassel abzugrenzen ist." (Westfalenpost).

Somit war der 30. April 1966 mehr als nur der Gewinn einer Meisterschaft. Der Club erlebte 36 Jahre nach dem bis heute größten Erfolg der Vereinsgeschichte, der Westfalenmeisterschaft von 1920, eine neue Blüte, die lange nachwirkte. Sie sorgte dafür, dass die HSV auch nach dem Abstieg aus der Zweitklassigkeit immer wieder nah dran war am Wiederaufstieg.

1968 errangen die Hammer die Vizemeisterschaft und verpassten anschließend das Finale um die deutsche Amateurmeisterschaft, 1969 und 1970 wurde man Dritter, 1971 mussten gar zwei Entscheidungsspiele gegen den punktgleichen FC Gütersloh her. Vor jeweils über 10000 Zuschauern zog die Spielvereinigung nach großem Kampf den Kürzeren (2:2 n.V./ 2:3). In der Saison 1975/76 gab es dann den letzten Anlauf mit dem sogenannten "Polensturm" um ihren Star und Nationalspieler Ryszcard Sarnat, doch mehr als ein enttäuschender vierter Platz sprang leider nicht heraus.

Wenn man so will, reichte die Strahlkraft des 30. April 1966 also bis in die Mitte der 70er Jahre. Nicht auszudenken, wenn es der HSV tatsächlich noch einmal gelungen wäre, in den bezahlten Fußball zu gelangen.

Heute ist vieles verblasst. Uns ab und an daran zu erinnern, was einmal war, um nicht zu vergessen, wer wir sind, das muss eine unserer Aufgaben sein.

20160430WestfalenpostWir sind sicher: Immer noch verfolgen einige Helden von einst das Geschehen rund um die Hammer Spielvereinigung. Zum 50. Jahrestag sagen wir heute DANKE.

Danke für die schönen Fußballmomente, die ihr unserem Verein geschenkt habt, auch wenn viele von uns nicht dabei sein konnten, weil wir noch zu jung waren oder noch nicht einmal auf der Welt.

Für die Träume aber, die ihr entfacht habt, ist auch heute noch Platz. Durch die Erinnerung an diesen 30. April sehen wir euch vor unseren Augen in euren weinroten Trikots, und wir hören euch geradezu singen. Rot und Weiß - wie lieb ich dich... fj

HSV-Stadionmagazin

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